Nancy Faeser im Gespräch über Chancen und Herausforderungen junger Menschen mit Migrationsgeschichte
Nancy Faeser zu Besuch beim Jugendmigrationsdienst in Hofheim
Am 16. September 2026 fand ein erster Austausch zwischen Nancy Faeser, Mitglied des Deutschen Bundestages, und den Mitarbeitenden des Jugendmigrationsdienstes (JMD) der Regionalen Diakonie Main- und Hochtaunus statt. Mittelpunkt des Gesprächs waren die tägliche Arbeit des JMD und die aktuellen Herausforderungen, mit denen junge Menschen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf konfrontiert sind.
Intensiver Austausch
Tim Kurth, Gaby Glaser und Kirsten Baumann, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Jugendmigrationsdienstes berichteten Nancy Faeser aus ihrer praktischen Arbeit und machten deutlich, wie wichtig eine verlässliche Begleitung für die Jugendlichen ist. Besonders die Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen gestaltet sich zunehmend zeitintensiv. Auch wenn ein Ausbildungsplatz gefunden ist, können bürokratische Hürden den erfolgreichen Start erschweren – beispielsweise dann, wenn eine notwendige Arbeitserlaubnis nicht rechtzeitig vorliegt.
Sprachliche Hürden als Herausforderung
Eine weitere Herausforderung sind sprachliche Hürden. Der erschwerte Zugang zu Sprachkursen führt dazu, dass junge Geflüchtete teilweise mehr Zeit für den Spracherwerb benötigen, bevor sie eine Ausbildung oder Beschäftigung aufnehmen können. Der Jugendmigrationsdienst unterstützt die jungen Menschen dabei, diese Hürden zu überwinden und gemeinsam tragfähige Perspektiven zu entwickeln.
JMD als Schnittstellenfunktion
Dabei übernimmt der JMD im Main-Taunus-Kreis eine wichtige Schnittstellenfunktion. Er vermittelt zwischen jungen Menschen und zahlreichen Institutionen und Akteuren, darunter Jugendamt, Jobcenter, Berufliche Schulen und Ausländerbehörde. Diese koordinierende und beratende Funktion ist angesichts der komplexen Rahmenbedingungen von besonderer Bedeutung.
Finanzielle Situation - Wie geht es weiter?
Auch die finanzielle Situation der Jugendmigrationsdienste wurde angesprochen. Die Mitarbeitenden wiesen darauf hin, dass die seit 2022 gleichbleibenden Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend angesichts gestiegener Personal- und Sachkosten zu einer zunehmenden Belastung führen. Zudem wurden die Sachkosten im Jahr 2025 gekürzt. Diese im Koalitionsvertrag benannte jedoch fehlende Dynamisierung des Bundeszuschusses führt faktisch zur höheren Eigenmitteln der Träger, was diese nur bedingt auffangen können. Dies hat bereits bei einigen Trägern zur Aufgabe des Arbeitsgebiets Jugendmigrationsdienst geführt. Und dieses Damoklesschwert schwebt derzeit immer noch über den bundesweit fast 500 JMD – auch hier im Main-Taunus-Kreis. Damit der JMD diese wichtige Arbeit auch in Zukunft weiterhin zuverlässig leisten kann, braucht es aus Sicht der Mitarbeitenden eine Finanzierung, die die tatsächliche Kostenentwicklung berücksichtigt.
Fortsetzung enger Austausch
Nancy Faeser zeigte sich im Gespräch aufmerksam und interessiert an den konkreten Erfahrungen aus der täglichen Arbeit. Als ehemalige Bundesinnenministerin und politisch im Main-Taunus-Kreis erfahrene Gesprächspartnerin konnte sie viele der angesprochenen Rahmenbedingungen und Herausforderungen unmittelbar einordnen. Besonders wertvoll war dabei der direkte Austausch über die Situation vor Ort und die Auswirkungen politischer und bürokratischer Rahmenbedingungen auf die Lebenswege junger Menschen. Am Ende des ersten Kennenlernens stand daher nicht nur die Bestandsaufnahme aktueller Herausforderungen, sondern auch der Wunsch, miteinander im Gespräch zu bleiben. Es wurde vereinbart, den Austausch fortzusetzen.